Artikel zur Fotografie

Fotografie – das unbekannte Land

Oft erlebe ich im Bekannten- und Verwandtenkreis einen gewissen Frust, wenn es um die Fotografie geht. Da liegt die neue Spiegelreflex unter’m Weihnachtsbaum, von der der Verkäufer behauptete, dass man damit „ganz vorn mit dabei“ ist, und die Fotos haben doch einen gewissen trashigen Charme.

Das kann natürlich gewollt sein – man denke nur an die Lomografie – meist wirkt es jedoch bei der Präsentation der Fotos im Freundeskreis nicht ganz so gewollt.

Ursachenforschung

In den allermeisten Fällen liegen die schlechten Ergebnisse an einigen, einfachen Symptomen:

  • Falsche Kamera
    Hier fangen schon die ersten Probleme an: Mit einer kleinen Kompaktkamera ist es nur schlecht möglich, bspw. Windhunde im Laufen zu fotografieren. Im Kajak macht allerdings die Spiegelreflex auch nicht viel Spaß.
  • Kein fotografisches Grundwissen
    Über dieses Thema unten mehr.
  • Kein technisches / elektronisches Basiswissen
    Das nächste Problem: Der Verkäufer ist schlauer als man selbst. Bei einem guten Fachverkäufer ist das auch kein Problem, bei einem Verkäufer, der schon über die simpelsten Fachbegriffe wie „Programshift“ stolpert, ist das schon eins. Denn diese „Beratung“ führt zu den o.g. Fehlkäufen.

Automatik

Eines der wichtigsten Auslöser ist meiner Meinung nach die Ausstatungen der Kameras selbst mit Automatikprogrammen zweifelhaften Nutzen.

Früher musste man Bücher verschlingen, weil’s an den Kameras keine Automatikprogramme gab. Heute muss man wieder Bücher lesen, weil es so viele Automatikprogramme gibt. Weil aber die Hersteller Bücher nicht mehr den Kameras beilegen (die deren Auskunft und meiner Erfahrung nach eh keiner mehr ließt) kommen die neuen Kamerainhaber schnell in die Bredullie. Glücklicherweise gibt’s ja die Auto-Einstellung, die dann auch noch automatisch das richtige Automatikprogramm raussucht.

Ein weiteres Problem liegt in der Art- und Weise der Dokumentation selbst begründet: Es wird zwar lang erklärt, wie man „i-contrast“ einstellt – aber zum Teufel: Was ist das? Früher wurden bei einer Spiegelreflex die Funktionen mit anschaulichen Aufnahmen á la Ursache-Wirkung dem Leser verdeutlicht, das gibt’s heute nicht mehr. Und so scheitere ich auch an vielen mir zweifelhaft erscheinenen Funktionen.

Verkäufer

Früher hat man selbstverständlich eine neue Kamera im Fachhandel gekauft. Damals gab es aber auch nicht a) so viele verschiedene Kameras und b) nicht so viele Funktionen. Weiterhin konnten die allermeisten Fachverkäufer auch noch fotografieren und nicht nur Kartons über die Ladentheke schieben.

Heute ist das anders: Die Fachgeschäfte können dem Preisdruck von Internetanbietern nicht mehr standhalten, selbst die eigentlich gut aufgestellten Elektro-Großmärkte schaffen das nicht mehr, wie man jüngst erfahren hatte (stand Herbst 2011). Also hat der Käufer die Wahl zwischen keiner Beratung (Internet) und einer schlechten (Elektro-Großmärkte). Dann fühlen sich auch Zeitschriften bewogen, Kameras zu testen. Dort kann ich oftmals auch nur zwischen dem klassischen Stirn-Handschlag, dem knallen von Stirn auf Tisch und dem nachhaltigen Kopfschütteln wählen. Was mich besonders entsetzt: Selbst die Fotozeitschriften fangen auch schon so an.

Beispiele

Ich schaute mir eine der ersten Casio Exilim Kameras mit 30 Bilder pro Sekunde an (Casio Exilim EX-H10). Ist ja schon erstaunlich: Eine Kamera für nicht einmal 200 EUR ist dreimal so schnell wie eine Canon EOS 1D Mark IV, kostet aber dafür nur ein Bruchteil. Natürlich muss man etwa 1s auf das erste Bild warten, da der Kontrast-Autofocus gegenüber dem Aktiven einer DSLR natürlich schnarchlangsam ist.
Man kann ja mal nachrechnen: (M)Ein (Wind-)Hund rennt mit sportlichen „nur“ 40km/h auf mich zu. Das sind 11m/s. Sprich: In einer Sekunde ist der Hund nicht mehr bei 20m Abstand, sondern bei 18,9m und somit ist der Hund schon im Unschärfebereich. Dann macht die Kamera 30 Bilder. Natürlich sind alle unscharf. Prima. Wieder ein Kunde sauer.

Ich stehe auf Programshift. Diese Funktion gebrauche ich bei meiner Spiegelreflex regelmäßig, denn etwas anderes machen die meisten automatischen Automatikprogramme auch nicht. In einem Elektronikhandel fragte ich bei den beiden topp-Kompaktkameras Canon G12 und Nikon Coolpix P7100 nach dem Programmshift. Nach 3 Kollegen erzählte man mir, dass es auch diese tollen Automatiken gab, so dass man auf eine derartige Funktion verzichten könne. Aja …

Da gab’s mal einen Vergleich in einem Kanumagazin von „meiner“ Pentax WG-1 gegen eine Panasonic Lumix DMC-FT3. Im Testbericht wurde die Bildqualität der beiden Kameras erwähnt. Habe ich hier etwas verpasst? Richtig, die Bildqualität der beiden Kameras sollen tatsächlich vergleichbar sein. Allerdings bewegen sich beide auf einem – gemessen an anderen Kompaktkameras – grottenschlechten Niveau. Und Leute kaufen aufgrund von diesen Test die Kameras …

Lösungssuche

Um dieses Problem anzugehen, habe ich zwei Artikel erstellt.

Grundlagen der Fotografie

Hier werden nur die Grundzüge der Fotografie behandelt. Es wird nur auf die Technik eingegangen, nicht auf Fragen der Gestaltung.

Grundlagen Workshop

Vom Lesen des Artikels kommt nur ein Verhaltener Aha-Effekt. Besser ist es, wenn man selbst mit der Kamera etwas versucht. Also kann man mit dem Durcharbeiten dieses Artikels mit der eigenen Kamera das Wissen festigen und tatsächlich „aha“ rufen.

Viel Spaß am besseren Foto!