Canon PowerShot G11

So, hier nun ein kleiner Bericht über meine „Neue“.

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Die G11 entspricht im Wesentlichen der G10, die ich hier auch schon einmal vorgestellt hatte.

Zielgruppe

Auch diese Kamera wendet sich eher an ambitionierte Fotografen, die eine profigerechte Leistungsklasse im Kompakt- Digitalkamera-Markt haben möchten. Im Klartext: Viele Knöpfchen, dadurch schnelle Wahl der Betriebsmodi, Menues, die in Puncto Einstellungsmöglichkeiten an Spiegelreflexkameras herankommen.

Die Liste der Features habe ich mal von der G10 kopiert:

  • Sehr kleines Gehäuse gegenüber einer DSLR ohne Griffwulst (112×76×48mm (G10: 110x78x46mm))
  • Extrem wertiges, 355g (G10: 350g) schweres Metallgehäuse mit Gummiarmierungen
  • Dezidierte Bedienelemente, damit auf die Bildgestaltung direkt Einfluß genommen werden kann.
  • Makrofunktion ab 1cm.
  • Bildstabilisator.
  • RAW Bilder
  • DIGIC 4 Prozessor (neuste Generation der High-End Kameraprozessoren von Canon
  • Verschlusszeit von 15 sec – 1/4000 sec in 1/3 Stufen
  • Blende 2,8 bis 8 in 1/3 Stufen
  • Objektiv f2,8-4,5 6,1-30,5mm (entspricht 28-140mm KB)

Aaaaaaber:

Die wichtigsten Unterschiede sind:

  • 10,0 MPixel (G10: 14,7) 1/1,7″ CCD Sensor
  • Bis 3200 ISO (G10: 1600)
  • Dreh- und schwenkbares 2,8″ Display mit 461.000 Pixeln
  • HDMI statt A/V Out

Zum ersten Mal in der Geschichte von Canon wurde endlich das Pixel-Wettrüsten beendet und eine Kamera rausgebracht, die weniger Pixel auf dem Sensor hat als das Vorgängermodell. Jetzt liesst sich 10 statt 14,7 nicht so sehr berauschend, wenn man aber mal nachrechnet, stellt man fest, dass auf dem 7,6×5,7mm großen Sensor die einzelnen lichtempfindlichen Pixel rund 70% größer sind.

Weiterhin ist das Display zu nennen, dass nun endlich wieder schwenkbar angebracht wurde.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das schwenkbare Display ein Markenzeichen der Canon G1 bis G6 (die G4 wurde aus kulturellen Gründen übersprungen) war und mit der G7 entfiel. Die G7 (Sept. 2007) war auch die erste Kamera im Metallgehäuse und besaß die 10,0 MPixel der aktuellen G11.

Erste Eindrücke

In meinem G10 Test habe ich ja geschrieben:
Extrem gute Haptik der Bedienelemente, die sich auch mit Handschuhen einwandfrei bedienen lassen (!!!)

Das muss ich leider ein wenig differenzieren.

Aber „wandern“ wir doch erst ein bisschen um die Kamera:

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So sieht die Kleine vor der G10 aus. Eigentlich könnte man die beiden Kameras verwechseln. Allerdings liegen die Unterschiede im Detail begründet.

Bei dem direkten Vergleich fallen einige Unterschiede auf:

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Die Siluette ist gedrungener, vor allem das Betriebsartenwählrad ist eine Spur kleiner. Das sieht zwar Marginal aus, hat aber zwei entscheidene Folgen:

Zum einen kann man jetzt nicht mehr so schnell und einfach die Betriebsart einstellen. Das klappt jetzt auch mit Handschuhen nur mir ziemlicher Fummelei, was für mich ein Zeichen ist, dass die Haptik nicht mehr so toll wie bei der G10 ist. Allerdings habe ich zum anderen immer darüber geklagt, dass mir genau dieses Rad immer in meiner Tasche verhakte und beim Einstecken und Rausholen die Betriebsart oftmals umgestellt wurde. Dieses Thema sollte jetzt vom Tisch sein.

Das Blechkleid fühlt sich übrigens nicht so wertig an wie das von der G10.


Die Rückseite sieht schon ein bisschen anders aus:

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Hier ist der Schwenkmonitor erkennbar.

Leider mussten durch den größeren Rahmen des Montors bedingt die Bedienelemente verkleinert werden, insbesondere das „Multidrehrad“. Der geriffelte Drehring wurde stark verkleinert, die Wippe in der Mitte (der Ring, auf dem „MF“ steht) wurde wie die Taste „FuncSet“ in der Größe beibehalten. Um das Ganze besser bedienbar zu halten, wurde auch der Ring in der Wippe integriert, leider mit der Folge, dass man den Drehring nicht mehr mit Druck drehen kann, wie man es von den Canon Spiegelreflexsystemen kennt. Hier ist die G10 besser, weil man einfach mit dem Daumen das Rad dreht.

Da wir gerade an der Rückseite sind: Meine G10 glänzt ja noch ein bisschen spreckig und ich hatte mich schon gefragt, warum sich die G11 nicht ganz so wertig anfühlt. Der Grund: Die Rückseite incl. dem Scharnier des Displays ist nicht mehr wie bei der G10 aus Metall, sondern aus Kunststoff.


Ein Highlight ist bei der G11 das Schwenkdisplay:

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Man kann damit aus ziemlich verrücken Blickrichtungen fotografieren, ich habe schon einige Selbstportraits geschossen (die hier natürlich nicht veröffentlicht werden, weil Yankee nicht an sich halten konnte und auf jedem zweiten Foto seine Zunge an meinem Ohr war).

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Ich beim Kamera fotografieren 😉

Messlatte

Das ist natürlich eine der Kernfragen: Konnte Canon die Messlatte für die G11 so hoch legen, dass die Kamera zumindest die G10 übertreffen kann?

Ich habe hierzu das BIOS Poster der 6-MPixel.Org mal schnell eben fotografiert.

http://www.6mpixel.org/

G11:
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G10:
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Olympus E-1:
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Unterschiede gibt es vor allem bzgl. der Farbe zwischen den G-Modellen und der E-1. Ich habe bewusst keine Einstellungen an den Kameras vorgenommen. Allerdings erkannten beide Canon zuverlässig das Kunstlicht und berichtigten es.


Was die Auflösung angeht, kam schnell die Ernüchterung:

G11:
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G10:
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Olympus E-1:
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Beachtenswert ist, dass die G10 den Streifen fast vollständig auflöst. Das ist absolute Referenzklasse. Sprich: Der 14,7 MPixel Sensor der G10 kann die 14,7 MPixel tatsächlich managen. Die G11 liegt knapp dahinter, auch weil sie keinen so hoch auflösenden Sensor besitzt. Die Olympus liegt abgeschlagen dahinter, obwohl die Pixel des E-1 Sensors eine riesige Fläche aufweisen.

Bringt mir das eigentlich etwas?

Eine gute Frage. Bei bestimmten Motiven werden feine Strukturen klarer dargestellt. Bspw. wenn man ein altes Haus fotografiert, man denken nur an die Sandsteinschlösser. Hier kann die Kamera voll ihr Potential ausspielen.


Die beiden nächsten Fotos zeigen die auf dem Poster fotografierten Portraits:

G11:
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G10:
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Kein Unterschied.

Beim Fotografieren

Interessant ist der Autofokus beim normalen fotografieren.

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Auf diesem Foto habe ich mal eingezeichnet, dass der Focuspunkt von der Kamera versetzt wurde, weil zentral im Bild keine Bereiche gefunden werden konnten, die einen ausreichenden Kontrast boten. Daher hat die Kamera automatisch auf dieses kleine Stöckchen fokussiert.

Eindrucksvoll ist das Bild von Alex‘ Augen:

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Ein Schnappschuss mit ISO 800, Kunstlicht, Makro. Vom Foto noch ein Ausschnitt von fast 1:1 Pixeln rausgeschnippelt. Muss ich noch mehr schreiben?


Eine Fluse hat am Fliegengitter eine Mini-Schneewehe gebildet.

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Auch wieder: Makro und alles automatisch.


Das letzte zeigt meine beiden Kater, wie sie sich gern fotografieren lassen 😉

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Fazit

Ich endete mit meiner G10 Review mit einem

… wenn die Sache mit dem High-ISO nicht so vernichtend wäre …
… würde sie ganz klar ein „Must-Have“ für einen DSLR-Fotografen sein …

… hmmm …
Dummerweise *scheint* das mit dem High ISO besser zu sein als die Olympus E-1. Und das würde fast das K.O. für die Olympus DSLR sein.


Nebenbei: Ich hab’s mal nachgerechnet: Ein Pixel der G10 misst 2,95mm², der der G11 4,33mm².

Also:

Die G-Serie von Canon ist sicherlich keine Kamera für einen Gelegenheitsknipser. Diese sind mit der IXUS- oder S-Serie (bspw. die S90 mit dem selben Sensor wie die G11) besser bedient.

Die G-Serie wendet sich an engagierte Fotografen, die eine winzige DSLR überall hin mitnehmen wollen. Sie bietet die selben Funktionen wie eine „große“ Kamera nur auf einen kleinen Raum.

Eingeständnisse müssen natürlich gemacht werden: Es ist und bleibt eine Kompaktkamera. Sie hat keine AF-Kreuzsensoren, keine langen oder extrem kurze Brennweiten und ist auch recht lahm. Mit einem Auge am Okular und dem Finger am Auslöser um dann mal 20 Aufnahmen von rennenden Windhunden machen ist einfach nicht drin.

Aber sie will auch keine DSLR ersetzen, sondern einfach eine ImmerDabeiKamera sein. Und das ist sie!