Fahren

Das Sitzen

Man hat durch den tiefen Sitz, den Schenkelstützen und den aufblasbaren Hüftpolstern einen sehr innigen Kontakt zum Boot. Hierdurch kann man das Boot sehr exakt kanten und stützen. Vom Sitz her finde ich den wirklich klasse.



Negativ finde ich nur den ersten großen Spant in der Höhe der vorderen Luke. Natürlich müssen bei einem Holzgerüst die Spanten aus Sperrholz sein und diese im 90° Winkel zu den Senten eingebaut werden, doof ist’s nur, wenn diese so groß sind, dass sie genau da sind, wo die Unterschenkel sind. Und genau dies ist der Fall. Ich kann mir noch mit einem Isolationsschaum für Rohre aus dem Baumarkt helfen, kleinere Paddler habe da echt ein Problem.


Hintergrund: Die Schenkelstützen sind wie bei vielen Seekajaks fest. Also muss sich der Paddler im Boot zu den Schenkelstützen ausrichten.
Einschränkung 1: Der Sitz kann bei recht kleinen Paddlern nicht genügend nach vorn geschoben werden, da er durch den Halbspant begrenzt wird.
Einschränkung 2: Das Stemmbrett muss recht weit zum Paddler gezogen werden, da dieser den Sitz nicht weit genug nach vorne schieben kann. Hierdurch sitzt der o.g. Spant aber sehr dicht vor der Ferse. Dies kann zu Problemen führen (Bein schläft ein, Schmerzen in der Ferse).
Bei dieser Einstellung hilft auch ein einfaches Isolationsrohr aus dem Baumarkt nicht mehr. Wir haben uns eine Fersenablage aus geschlossenporigen Schaumstoff angefertigt, die das Einschlafen gemindert hatte, nicht aber abstellen konnte.

Das Fahren

Ich finde auch, dass er sauschnell ist und auch durchaus mit Festrumpfbooten mithalten kann. Ich finde nicht, dass ich in meinem neuen NDK Explorer wesentlich schneller oder langsamer bin als im Narak. Das habe ich auch beim Training bei Birgit Fischer gesehen: Von 13 Teilnehmern war ich im abschließenden Rennen der Dritte. Eine beachtliche Leistung für ein Faltboot.


Wobei ich mit der Einschätzung, dass er schnell ist, auch meine, dass er leicht läuft. Sprich: Man benötigt für die gleichen km in diesem Boot weniger Kraft als in anderen Booten.

Flex


Unter „flexen“ versteht man das Verwinden des Bootes, bspw. beim Fahren durch Wellen. Das „Flexen“ ist bei vielen Booten erwünscht, bspw. bei den Baikaradas. Verglichen bspw. mit einem viel kürzeren Ladoga 1 „flext“ er stärker. Ist die Frage, ob man das mag.
Ich persönlich finde diese Eigenschaft angenehm, er geht viel weicher durch die Wellen als bspw. mein Explorer, der nach dem Durchfahren der Welle richtig auf das Wasser knallt. Auch kann man mit dem Narak nur schlecht durch die Wellen stoßen, da er sich eher um die Welle biegt.
Ob das gut ist oder nicht muss jeder selbst entscheiden.

Kippelig? (Anfangsstabilität / Endstabilität)

Durch den Knickspant und dem ausgeprägtem Kiel ist er kippelig, dies wird jedoch wie oben beschrieben durch den tiefen Sitz kompensiert. Ich zumindest habe im Vergleich zu einem Ladoga 1 Faltboot oder NDK Explorer immer das Gefühl, dass der Narak instabil ist. Das sieht man auch, wenn ich mal im ruhigen Wasser filme: Man sieht, wie die ganze Zeit über der Narak von mir in der Senkrechten gehalten wird. Es kann aber durchaus sein, dass erfahrene Paddler das nicht so empfinden. Allerdings kann es auch sein, dass Neulinge das Boot als sehr kippelig empfinden.

Weiterhin sorgt der Riß für ein „gemeines“ Kippverhalten: Man kann ihn bis zu einem weiten Bereich ankanten, irgendwann ist aber Schluß und er fällt regelrecht um. Das geht überraschend und sauschnell und hat bei uns beiden schon für Freude auf die 180° Rolle gesorgt 🙁 .

Seitenwind

Für einen Kajak mit grönländischen Wurzeln und viel Beladungssicherheit schaut er recht weit aus dem Wasser. Das ist bei Seitenwind ein Problem: Er ist ausgeprägt luvgierig. Um dies zu kompensieren kann man zu mehreren Methoden greifen:

  • Steueranlage. Mit den schon skizzierten Vor- und vor allem Nachteilen.
  • Skeg.
  • Technik.

Ich habe es zum Ende geschafft, bis bft 4 ohne Skeg und Steuer recht gut klar zu kommen, andere verzweifeln an dem Boot.

Aus den beiden Gründen würde ich nicht davon schreiben wollen, dass der Narak einen „sturen Geradeauslauf“ hat. Klar, bei Windstille auf dem Hausteich ist das schon richtig, wenn man bspw. nicht korrekt paddelt, ein Lüftchen schräg von hinten bläst etc. fährt das Boot nicht geradeaus. Das macht selbst ein Ladoga 1 besser, das ich nie mit Steueranlage oder Skeg gefahren bin.

Sicherheitstechniken

Mit einem „richtigen“ Seekajak sollte man auch die gängigen Sicherheitstechniken machen können, wie bspw. das T-Lenzen, der V- oder Paralleleinstieg. Bei vielen Faltbooten wird immer wieder gesagt, dass das nicht gehen würde, dass man andere Techniken anwenden müsse (die jedoch keiner vermitteln kann).


Für den Narak mit Seesocke gilt: Alles quatsch!

Man kann genauso ein T-Lenzen machen, man kann mit dem Narak Laminatboote T-Lenzen oder auch einen anderen Narak. Der Seiteneinstieg wie Paralleleinstieg funktioniert richtig gut. Man kann Laminatbooten beim Parallel- oder V-Einstieg helfen. Sprich: In einer Seekajakgruppe wird der Narak auch bzgl. Sicherheisttechniken nicht auffallen.

Fazit

Wenn man sich bzgl. des Spantes eingerichtet hat und die Kippeligkeit durch Stütztechnik kompensiert, ist der Narak ein wunderbares Boot, was sitzt wie ein guter Schuh und sich schnell und leicht durch das  Wasser bewegt. Was will man mehr?

Es gibt viele Boote, die einfacher zu paddeln sind. Sicherlich. Aber … möchte ich das auch?