… weichgekocht …

Mit der Zeit bin ich ja zum Mopedfahrer geworden und habe mich auch mit Mopedzeitschriften eingedeckt. Immer wenn ich einen Artikel über KTM sah, wurde ich ganz unruhig – in den meisten Fällen wurde ich aber nicht ruhiger, nachdem ich den Artikel gelesen hatte.

Die Probleme bei KTM-Mopeds sind ja:
Es sind Sportmotorcycles (KTM-Jargon), also für den alltäglichen Einsatz ziemlich ungeeignet (knüppelharte, schmale Sitzbank, unerträgliche Vibrationen).
Die KTM’s, die Gelände gesehen haben, sind preiswert – allerdings, weiß man nicht, was man für sein Geld so bekommt.
Die KTM’s, die kein Gelände gesehen haben, bewegen sich in der preislichen Dimension einer neuen KTM.
Neue KTM’s sind aufgrund der edlen Komponenten ziemlich teuer.

1996 fuhr ich eine KTM 620 Probe, weil ich einen KTM-Händler in Osnabrück gefunden hatte und ich mich ein bisschen in die KTM 620 Probe Dakar (die „lila Kuh“) verguckt hatte. Leider fuhr die 620 überall hin, nur nicht geradeaus. Dazu kam die komische Sitzposition, die mich davon abhielt, mir eine derartige Maschine zuzulegen (und natürlich die lästerlichen Bemerkungen von der Sozi nach dem Motto „Affe auf Schleifstein und so).

Als die 97er KTM Adventure raus kam, dachte ich mir schon, dass das vielleicht schon eher meine Kragenweite war. Nur nicht in diesem ultra-hässlichen orange und mit dieser komischen (wenn auch zugegebener Maßen praktischen) Schalldämpferanlage.

Sieht doch hässlich aus – oder?

Anfang 98 kam dann die KTM LC4 640 Adventure-R Dakar 98 raus und bereits die erste Abbildung hat’s mir angetan. Die sollte sogar tourentauglich sein und mit einem Motorradcomputer ausgestattet sein. Ich konnte meine Gefühle noch ein paar Monate unter Kontrolle halten, bis ich im April ’98 eine Anfrage bei den KTM-Händlern durchführte. Keine hatte eine Vorrätig, ich solle doch eine normale Enduro Probe fahren und dann mir eine Adventure-R bestellen.

Sieht doch viiiiieeeeelll besser aus – oder?

… probegefahren …

Nein, meinte Georg, ich solle mal gleich vorbei kommen, die hätten drei Adventure-R verkaufsfertig stehen und die Probefahrtmaschine würde er gleich fertig machen. SCHEISSSSSEEEE.

Dat is meine!

Nun gut, ich mich auf meine DR 800 S gesetzt und nach Senden gedüst. Kurze Formalitäten und schwups auf das Gerät gesetzt. Imprägniertes Lächeln. E-Starter und losgebollert. Hmmm, Sitzposition ähnlich meiner DR BIG, ebenso die Leistungscharakteristik, obwohl die Gasannahme der KTM schon phänomenal ist. Verarbeitung und Komponenten erste Sahne. Kurvige Strassen – näääääättt.

… gekauft …

Dann hat’s noch ein dreiviertel Jahr gedauert. Am 10.03.99 ??? bin ich nach Dortmund gefahren und auf dem Weg dorthin habe ich noch einen schnellen Streichel-Besuch bei meiner KTM Adventure-R eingelegt. Naja, und Georg meinte halt, dass er wohl auf Monate keine mehr bekommen würde. Sssssssccccchhhhhhhh…… Also habe ich den Kaufvertrag unterschrieben.

Am 23.03.1999 habe ich dann das Objekt meiner Begierde abgeholt und auf den ersten Kilometern wollte ich schon wieder umdrehen, weil ich angesichts der ultimativen Vibrationen immer nur dachte: Marc, was hast Du gemacht, Marc, was hast Du gemacht … vielleicht könnte man die Kiste mit einem nicht allzu großen Verlust verkaufen … vielleicht nimmt ja auch Georg die wieder zurück – oder tauscht die gegen eine Suzi ein oder ein Honda … vielleicht bin ich auch einfach ein Weichei, vielleicht muss ich einfach nur härter werden … mal sehen …

… gefreut …

Leider konnte ich meine KTM in der Einfahrzeit noch nicht so rannehmen, ich konnte das Ende kaum erwarten, vor allem weil das Ende durch eine kleine Leistungsoptimierung versüßt wurde.

Aber dann … dann … ja dann …

Diese explosionsartige Leistungsentfaltung, diese kernig-kraftvollen Vibrationen, uuuhhhaaaa … Kurvenräubern – ja, jetzt weiß ich, was damit gemeint ist.

Wenn man über saumäßig geflickte Teerdecken fegt, mit Volldampf über Moorstraßen nimmt, eine Schotterpiste in die Tour mit einbaut, das macht Spaß. Oder wenn am Ende der Bergrennstrecke die Straße sich in einen bedauernswerten Zustand befindet und ich noch mal so richtig aufdrehen kann, wahrend die superhart gefederten Rennwuzzis den Hahn angesichts des sich immer näher rubbelnden Straßengrabens zumachen müssen und ich mit 50PS eine Maschine mit 150PS deutlich stehen lassen kann …

Oder die unbefestigten Wege. Früher dachte ich immer: Oh wei, hier kommst Du nie durch – bei der KTM gibt’s eine ganz einfache Lösung: Gas geben!

… geärgert …

Aber dann sind da noch die Schattenseiten:

  • Die hohen Inspektionskosten mit um 500,- DM pro 5.000km.
  • Die Ölsauereien.
  • Der Benzinhahn.
  • Die Zündkerze.
  • Die Kupplung (alle 12.000km Tausch – anscheinend kein Einzelfall).
  • Ignorantes Werk.

Mehr zum Ärger in meinem Fahrtenbuch.

… mein Fazit …

Eine KTM ist (leider) kein Allerweltsmoped, wer ein Null-Problem-Moped kaufen möchte, sollte sich (nach meiner persönlichen Meinung) auf keinen Fall eine KTM kaufen. Wer kompromissbereit ist und auch vor den hohen Wartungskosten der erhält jedoch eine Fahr-Spass-Maschine erster Klasse.

Von KTM kam für mich keine Hilfe; dumme Bemerkungen und den Verweis an meinen Händler war der Inhalt des Schreibens auf meine schriftliche Anfrage hin. Was ich damals erwartet hätte? Vielleicht eine Problemlösung, vielleicht einfach nur Aufmerksamkeit durch einen Anruf, durch den Besuch eines KTM-Aussendienstlers oder durch die Arrangierung eines Termins mit einem KTM-Ingenieurs bei meinem Händler.

Ganz klar: Ohne meinen Händler hätte ich keine KTM mehr und auch jetzt habe ich Probleme damit, mit einer Adventure auf eine größere Fahrt zu gehen, weil ich mir nicht sicher bin, ob ich auch wieder aus eigener Kraft zuhause ankommen werde.

Bei meinen beiden Suzis hatte ich diese Probleme nie; vor allem mit der extrem zuverlässigen DR Big würde ich auch weite Touren unternehmen, ohne mir zuvor die wichtigsten Suzuki-Händler an der Route ausfindig zu machen. Bei Fahrten mit der KTM