Pentax WG-1

Grundproblematik

Ich habe so das Problem, dass ich eine kleine, wasserdichte Kamera beim Kajakfahren gebrauche. OK, ich habe ja die G11 mit UWG, allerdings hat das Gespann ein Problem: Es ist zu groß.

Gerade beim schmalen Seekajak ist die Kamera mehrfach doof.

Die Kamera kann man sich nicht um den Hals hängen. Das stört beim Paddeln (da die Arme recht dicht am Körper bewegt werden) und auch beim Tragen vom Boot, will man sich nicht strangulieren. Also bleibt die im Boot.

Will man in ein Seekajak einsteigen, muss man sich auch eine gewisse Technik angewöhnen, sonst kommt man nicht durch die kleine Luke. Allerdings liegt genau da die Kamera, wo man eigentlich mit den Fuß hintreten möchte. Ich habe mir angewöhnt, die Kamera auf die Seite zu legen, von der man einsteigt, das geht dann, setzt aber eine gewisse Planung voraus.

Weiterhin kloddert die Kamera beim Tragen im Boot hin und her. Auch nicht schön.

Schließlich kann man sie nicht benutzen, wenn man eine Spritzdecke nutz, da ja dann die Kamera unter der Spritzdecke sich befindet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Spritzdecke

Die Möglichkeit, die Kamera auf Deck zu platzieren, ist auch nicht optimal: Vom Paddel fallen Wassertropfen direkt auf die Stelle, wo man eine Kamera noch erreichen könnte. Wassertropfen auf dem geradem Frontglas kann man aber vor allem wegen der großen Distanz zur vorderen Linse a) sehen und b) erzeugen sie unschöne Lichtreflexe.

Also sollte man eine Kamera vor Frontglas-Wassertropfen schützen.

Die Alternative.

Beim Grübeln ist mir eingefallen, dass man sich auch gleich eine wasserdichte Outdoorkamera kaufen kann. Die hatte ich eigentlich verworfen, da diese Kameras bis auf eine Ausnahme allesamt Periskop-Objektive haben.

Einige aktuelle Outdoorkameras besitzen derartige Objektive. Dies sind bspw.

  • Olympus µ TOUGH-8010
  • Olympus µ TOUGH-6020
  • Olympus µ TOUGH-3000
  • Panasonic Lumix DMC-FT2
  • Panasonic Lumix DMC-FT3
  • Sony Cyber-shot DSC-TX10
  • Pentax Optio W-90
  • Pentax Optio WG-1
  • Richo G700

(Wobei sich die Richo G700 alleine sich durch den Preis vornehmlich für den Einsatz im Profilager qualifiziert.)

Was ist ein Periskopobjektiv?

Hier ein kleine Skizze:

Beim Periskop-Objktiv ist das eigentliche Objektiv nicht wie üblich nach vor aus der Kamera herausgebaut, sondern liegt geschützt in der Kamera. Der Sensor liegt hinter dem Objetiv quer zur eigentlichen Blickrichtung des Objektives. Damit die Kamera trotzdem nach vorn gucken kann, schaut sie über einen Spiegel durch ein Fenster nach draußen.

Die Vorteile dieser Konstruktion:

  • Das Objektiv fährt nicht mehr aus dem Kameragehäuse rein- und raus.
  • Die Kamera kann viel schlanker konstruiert werden.
  • Das Frontglas ist eben und kann besser gereinigt werden.

Die Nachteile dieser Konstruktion:

  • Die Lichtstärke sinkt durch die Verwendung des Spiegels
  • Diese Konstruktionen sind nicht verzerrungsfrei. In der Folge müssen diese „gerade gerechnet“ werden.

Einige Hersteller hängen das Objektiv beweglich auf, damit es im Sturzfall besser geschützt ist. Dummerweise bedeutet dies auch, dass sich die optischen Eigenschaften je nach Stellung des Objektives verändern. Da sowieso die optischen Fehler rausgerechnet werden müssen, wird auch dies bei einer Aufarbeitung berücksichtigt.

Ricoh stattet beispielsweise die Modelle G700 / G700SE mit einem Prisma statt eines Spiegels aus. Das ist teurer, aber auch besser.

Dummerweise ist die Dicke des Kameragehäuses von dem Durchmesser der Linsen direkt abhängig. Daher kommen Objektive mit recht kleinen Durchmessern zum Einsatz. Diese müssen aber mit sehr geringen absoluten Toleranzen gefertigt werden, da sich der optische Aufbau relativ verringert hat. Dies ist aber recht teuer, sprich: Unbeliebt bei den Herstellern. Da aber sowieso die Abbildungsfehler rausgerechnet werden müssen, wird das wohl auch in Kauf genommen.

Weiterhin verringert sich die Lichtstärke durch den Einsatz von kleinen Linsen beträchlich.

Einen Vorteil hat das jedoch auch: Will man Verwackelungen durch eine Optik ausgleichen, muss man nur kleine Massen bewegen. Allerdings gehen auch andere Hersteller dazu über, die teuere mechanische Kompensation durch eine elektronische zu ersetzten, wie bei der Pentax WG-1.

Pentax WG-1

So, nun zur Pentax WG-1.

Warum diese Kamera?

Der Vorgänger W-90 hat eigentlich sich bei Vergleichstests ganz wacker geschlagen, und die WG-1 wurde als eine Weiterentwicklung und Verbesserung der W-90 angepriesen. Zudem bekommt man die WG-1 GPS (also eine WG-1 mit einem GPS-Empfänger) für einen Aufpreis von 30 EUR.

Als ich die Kamera das erste mal in der Hand hielt, war ich beeindruckt, wie klein die doch ist.

Das gummierte Plastikgehäuse liegt gut in der Hand und macht einen robusten Eindruck.

Die (natürlich wasserdichten) Klappen sehen zwar so aus, als wenn sie dicht halten würden, sind aber allesamt etwas klapperig. Wenn man grobmotorisch die Klappen öffnet, ist wahrscheinlich schnell eine Reparatur fällt.

Der Akku ist vom Volumen her der dünnen Kamera angepasst. Dies hat allerdings gerade bei der GPS-Kamera einen blöden Nebeneffekt: Man kann das GPS dazu nutzen, den „Track“ aufzuzeichnen. In diesem Modus kann man alle 15, 30 oder 60s die aktuelle GPS-Position aufzeichnen lassen. Das funktioniert auch, wenn die Kamera in einer Tasche steckt, saugt aber den kleinen Akku nach einen Tag leer.

Von Oben das schlanke Design mit einer max. Breite von 30mm.

Das 2,7″ Display löst mit 230.000 Pixeln scharf auf. Viele kritisieren das Wide-Format des Displays, ich finde es eigentlich schön, da dadurch die Informationen der Kamera im „Trauerrad“ untergebracht werden und nicht auf dem Bild.

Etwas ärgerlich empfand ich die Bevormundung durch die Kamera: Wenn ich die ISO-Automatik abschalte und die Kamera auf ISO 100 einstelle, möchte ich es auch nicht, dass beim nächsten Start die Kamera wieder auf Auto-ISO einstellt und dann mal eben ISO 800 vorwählt.

Weiterhin wird immer die Gesichtserkennung eingestellt. Was bei einer lustigen, angeschwippsten Party sinnig ist, ist bei Landschaftsaufnahmen einfach nur störend, da die Kamera völlig unkontrolliert den Focus im Bild auf einen Bereich legt, der ihrer Meinung nach einem Gesicht ähnelt.

Ergo ist man nach dem Einschalten erst einmal ein paar Knöpfchen vom Foto entfernt.

Sonst sind die Menues übersichtlich aufgebaut. Die „Grüne Taste“ kann man frei programmieren. Hierbei kann man noch einmal sich Funktionen aus den vier Tastenrichtungen des Steuerkreuzes raussuchen (also „grüne Taste“ + > für Weißabgleich und „grüne Taste“ + < für ISO-Einstellung usw.). Eine wirklich praktische Lösung.

Abbildungsleistung.

Posterfotografie

Die Kamera machte ja eigentlich eine gute Figur – bis ich die ersten Aufnahmen auswertete. Dazu fiel mir definitiv nichts mehr ein.

Zunächst fotografiere ich ja mein Poster der 6mpixel.org. Der Weißabgleich ging total in die Hose, da die Farbtemperatur der Leuchtstofflampen wohl nicht richtig programmiert wurde. Weiterhin das Problem mit den ISO 800: die sind automatisch vorgewählt worden. Selbst dem auf 800×600 Pixel verkleinerte Bild sieht man die miserable Qualität an:

Noch schlimmer sind die 1:1 Ausschnitte aus der Mitte bei 28mm KB

und rechts unten bei 140mm KB.

OK, nachdem ich festgestellt hatte, dass die Kamera mir mit der ISO-Zahl dazwischen funkt und ich manuell auf ISO 100 eingestellt hatte und solange mit der Weißbalance rumgefummelt hatte, bis einigermaßen farbneutrale Ergebnisse auf dem Schirm zu sehen waren, gab’s diese Ergebnisse für 28mm KB

und 140mm:

Nur mal so zum Vergleich die Fotos mit der G11 bei 28mm:

und 140mm:

Im Feld …

OK, neues Spiel – neues Glück. vielleicht mag die Kamera ja keine Aufnahmen in Räumen, vielleicht mag eine *richtige* Outdoorkamera auch nur, wenn sie raus darf.

Bitte schön, ein Bauenhaus mit G11 (Original und Ausschnitt)

Und die Wg-1 (Original und Ausschnitt):

OK, vielleicht mehr Natur? vielleicht sind Bäume „genehme“ Motive. G11 legt vor (Original und Ausschnitt):

Und wieder die WG-1 (Original und Ausschnitt):

Aber Markos sollen doch toll sein! Dazu hat die WG-1 auch extra LED’s an der Vorderseite. Start mit der G11 (Original und Ausschnitt):

Und die WG-1 (Original und Ausschnitt):

Zuletzt noch harte Kontraste. G11:

WG-1:

Als eiziges Foto konnte man die Hagebutten einigermaßen verwerten:

Mein Fazit:

Ich hatte definitiv damit gerechnet, dass eine Kamera mit einem Periskopobjektiv eine schlechtere Qualität abliefert, als eine Kamera mit „normalem“ Zoomobjektiv. Das die Qualität allerdings derart schlecht ist, damit hatte ich keinesfalls gerechnet.

Schlimm ist nur die Tatsache, dass selbst ich verunsichert bin: Sind die anderen Kameras mit Periskopoptik auch so schlecht?

Ich hatte die o.g. Hersteller bzgl. der Qualität deren Kameras angeschrieben und gefragt, ob es eine Kamera geben würde, die bspw. einer Canon G11 nahekommen. Die Antworten: Über einen Qualitätsvergleich zu anderen Kameras (erst recht nicht denen der Konkurenz) können wir nichts sagen, bitte informieren Sie sich über Vergleichstests oder bei Ihrem Fotohändler. Prima.

Beim Verkäufer weiß ich schon, was kommt: Teuer ist gut. In den Testberichten wird ganz unterschwellig die Bildqualität als mehr oder wenig schlecht eingestuft, wenn dort bspw. steht, dass die vergleichsweise schlechte Bildqualität durch Sonderfunktionen relativiert wird.

Wie? Man kann Bildqualität durch Funktionen wieder wettmachen???
Sorry, nein, das sehe ich nicht so. Die Kamera sollte schon „gute“ Bilder machen. Das eine Kompaktkamera kaum an die Abbildungsleistung einer G11/G12 oder Nikon P7000 herankommt, ist klar.

Allerdings sollte eine moderne Kompaktkamera schon bessere Abbildungsleistung als man noch vor 10 Jahren hatte – egal ob mit Periskopobjektiv oder nicht.