Auf der Suche nach was besseren …

… habe ich auch das eine oder andere Angebot eines freundlichen Mopedhändlers angenommen und bin auch mal andere Mopeds zur Probe gefahren, vor allem, als mich meine KTM Adventure-R so stark enttäuscht hatte.

Folgende Mopeds bin ich gefahren:

Meine persönliche Favoritenliste:

  1. KTM Adventure-R
    +: Böser, böser Motor, super Fahrwerk, super Handling, Fahrspaß pur, super Offroad-Tauglich
    -: Teurer Unterhalt, z.T. Unzuverlässig, unangenehme Vibrationen
  2. BMW F650GS Dakar (und nur die)
    +: sehr agiler Motor, gutes Fahrwerk, gutes Handling, gut Offroad-Tauglich
    -: fragwürdige Zuverlässigkeit
  3. Honda XLV 750 Africa Twin
    +: Bequem, ruhig, kultiviert, preiswert im Unterhalt
    -: Tank-Sicke (neuer Tank), Frontscheibe (neue Frontscheibe)
    +/-: Offroad-Tausglich???

Die weiteren Mopeds haben zumindest einen KO-Grund:

  • Cagiva Elephant 650:
    Kaum Offroad-Tauglich, viel zu klein, teuer im Unterhalt, unzuverlässig
  • Cagiva Elephant 900 i.E. Lucky Explorer:
    Kaum Offroad-Tauglich, extrem teuer im Unterhalt, unzuverlässig.
  • BMW R11x0GS:
    (Offroad-Tauglich???), reihenweise kapitale Motor- und Getriebeschäden
  • Moto Guzzi Quota:
    Nicht Offroad-Tauglich, Leistungsloch, geringe Bodenfreiheit
  • Yamaha 750 Super Ténéré:
    (Offroad-Tauglich???), schiefe Sitzposition

Probefahrtberichte

Die kurzen Berichte geben natürlich nur meine ganz spontane Meinung wieder, da ich ja diese Mopeds nur sehr kurz Fahren konnte und sie nicht (wie meine anderen drei) mehrere 10.000 km gescheucht habe).

BMW R1100GS, BJ 1997, Fahrt 1999

Natürlich sollte es auch Deutschlands Meistverkaufte einmal seien.

Intention – Erwartungen

Die BMW-Boxer haben einen sehr guten Ruf als unverwüstliche, gutmütige Wegbegleiter, die ohne Probleme die Tachos mit satten sechsstelligen Kilometerleistungen beglücken.

Weiterhin wird immer wieder das tolle Fahrwerk und der drehfreudige, kräftige Motor gelobt, die Ideale Maschine für Alltag, Urlaub und Spaß, den man auch abseits der befestigten Wege fahren kann.

Allgemeines

Als erstes Fällt natürlich die sehr gestreckte Sitzposition auf, die man auch auf der KTM hinbekommt, wenn man auf dem Gepäckträger sitzt.

Beim schnellen hochdrehen des Motors (im Stand) ist ein sehr deutliches Kippen des Mopeds zu merken, dies rührt durch die längs zur Fahrtrichtung eingebaute Kurbelwelle.

Positives

Das Fahrwerk ist wirklich klasse – für den Straßenbetrieb. Das Pro-Lever-System sorgt zuverlässig dafür, dass die Gabel beim Bremsen nicht abtaucht und so zu einer Verhärtung der Federung führt.

Der Motor ist ebenfalls erste Klasse was Laufkultur und Kraft angeht, man kann ganz locker von Null auf 180 km/h hochdrehen und mit dieser Geschwindigkeit ein paar hundert Kilometer abreißen.

Negatives

Die Kurvenhatz auf kurvigen, verwinkelten Sträßchen macht nicht so richtig Spaß, Gründe hierfür sind:

  • Die gestreckte Sitzposition (ich fühle mich dem Moped nie ganz verbunden).
  • Das extrem hohe Gewicht (das man aufgrund des tiefen Schwerpunktes auch nicht so schön „drücken“ kann).
  • Der langweilig hochdrehende Motor.

Wenn man dann noch sieht, das in der Werkstatt drei Vierventil – Boxer stehen, von denen einer eine Inspektion bekommt, der nächste einen neuen Zylinderkopf und der dritte ein neues Getriebe beschleicht mich doch ein komisches Gefühl.

Fazit

Ganz nett, ich bin aber noch zu Jung dafür (und wahrscheinlich zu intolerant gegenüber den Schäden).

BMW F650GS, BJ 2000, Fahrt 2000

Was? Die F650GS Dakar ist Sieger nach Punkten im Vergleichstest mit der KTM Adventure-R? Kann nicht sein!

Also habe ich mir mal den Täter angesehen und mir vom BMW-Händler eine Probefahrt mit einer normalen F650GS aufschwatzen lassen, da die Dakar-Modelle schon alle Verkauft waren.

Intention – Erwartungen

Besser als die KTM Adventure-R. Tauschobjekt nach Problemen?

Allgemeines

Nach einer Viertelstunde konnte ich mit der GS losfahren, irgendwie gab’s Startprobleme … und dass bei einem Vorführmoped …

Positives

Die Sitzposition ist ein toller Kompromiss zwischen sportlich-straffer Sitzbank und tourentauglich weit nach vorn gezogener Oberschenkelauflage, man sitz sehr Aufrecht und sehr weit zum Lenker hin.

Der Motor ist (wenn er denn läuft) tatsächlich eine wucht. Er dreht nicht so kompromisslos und brutal hoch wie die KTM, besitzt aber dafür eine viel bessere Laufruhe.

Trotz der herkömmlichen Gabel mit 41mm Standrohrdurchmesser kann man die Abstimmung zumindest für den Straßeneinsatz als durchweg gelungen bezeichnen, was wohl auch dem montiertem Gabelstabilisator zu verdanken ist.

Negatives

Zum einen kann man hier das Startprozedere anfügen, dass auch bei anderen Tests genannt worden ist. Zum anderen ist der geregelte Kat völlig wirkungslos (Motorrad).

Fazit

An für sich ein schönes Moped, wenn da nicht diese Problemchen mit Start und Kat währen, und wenn sich BMW einmal ein Moped konstruieren würde, was mal Konsequent in die Richtung Enduro gebaut wurde. Es gibt Alternativen: Beispielsweise einen Umbau von Touratech. Man steckt einfach circa 15.000,- DM in die Kiste und erhält … eine KTM mit BMW-Motor … hmmm …

Vielleicht sind die Dinger ja in ein, zwei Jahren so verbessert worden, dass ich keine Vorbehalte mehr habe, allerdings ist dann KTM mit der LC8 da …

Cagiva 650 Elephant, BJ 1989, Fahrt 1997

Carsten hatte mir seien Cagiva Elephant einige Male ausgeliehen, damit ich endlich auch zu den aktiven Mopedfahrern wechsele.

Intention – Erwartungen

Ich hatte keine Erwartungen gestellt.

Allgemeines

An der Cagiva ist einiges geschraubt worden, jedenfalls hat sie mehr als 650 ccm und mit der Verdichtung und dem Schalldämpfer passt auch irgendwas nicht mehr.

Positives

Der Motor dreht sehr willig bis in die höchsten Drehzahlen hoch und hängt willig am Gas.

Negatives

Naja, für eine Enduro spricht der ultra-brutale Rahmen, dagegen aber das extrem hohe Gewicht, die geringe Bodenfreiheit und ein Motor, der in vielen Situationen einfach zuviel Power hat.

Daneben ist auch das Handling suboptimal: Die Kupplung ist wie der Gasgriff sehr schwergängig, den Gasgriff muss man bis zur vollständigen Öffnung wohl zweimal um die Lenkerstange wickeln und zwischen Fußraste und Schaltung passt nur feinstes italienisches Schuhwerk – zumindest meine Endurostiefel haben hier Probleme und Cross-Stiefel könnte man hier total vergessen.

Weiterhin bleibt da noch der Punkt des Anfahrens: Manchmal ist es schwer den Punkt des Drehzahlmessers zu finden, bei dem man ohne Gefahr für Maschine und Mensch einkuppeln kann. Zuviel des Guten macht aus dem Gerät eine Mördermaschine, zuwenig fährt zwei Expositionen und stirbt vor der dritten Stehen. Fährt man dann noch eine Kurve, kann man kaum das schwere Gewicht der Maschine halten.

Und noch einen: Einfach die Kiste mit E-Starter zu starten geht nicht. Ich hatte bis zum Schluss nicht herausfinden können, wie die exakte Mixtur von Gasgriff-Bewegungen (Dell’Ortos Benzineinspitzungen!) Choke und dynamischen Gasgebens man zum Start gebraucht.

Fazit

Ein Null-Problem-Spass Moped für mich, genau das richtige für Carsten.

Cagiva 900 Lucky Explorer, BJ 1991, Fahrt 1997

Irgendwie wurde ich ja von Carsten auf Ducati / Cagiva gepolt, dauernd dieses Schwärmen vom weltbesten Motor und so …

Intention – Erwartungen

Irgendwann hatte ich herausbekommen, dass Cagiva mit dem 900er Pantha-Motor die Paris – Dakar gewonnen hatte (Hubert Auriol?). Und ein Jahr später gab’s eine entsprechende Replica. Und das 91er und 92er Modell hatte noch alleine durch die langen Federwege gewisse Geländetauglichkeit an den Tag gelegt.

Außerdem wurde die ersten Jahre die Elephant in Lucky Strike Kriegsbemalung ausgeliefert, mit den hohen Fahrwerk und einer Sitzhöhe von 92cm eine beachtliche Erscheinung im Straßenverkehr.

Tja, und dann wollte ich mal testen, ob denn jetzt nun wirklich Moped und Fahrwerk eine optimale Kombination ergeben.

Positives

Die Sitzhöhe stimmte, die Maschine baut durch den lang an den Seiten heruntergezogenen Tank recht schmal, das Gewicht ist sehr tief, der Motor dreht äußerst Kraftvoll und willig hoch, ich hatte kein Problem auf der Probestrecke durch die Kasseler Berge auf über 160 km/h zu kommen, Carsten hatte über 180 km/h geschafft.

Negatives

Das Fahrwerk folgte jeder Rille, es war extrem kippelig, der Geradeauslauf war gleich Null.

Fazit

In Gebrauchttests wusste die Cagiva Elephant (wie auch die KTM) zu polarisieren: Da waren auf der einen Seite der tolle Motor in einem tollen Fahrwerk und auf der anderen Seite exzessive Unterhalts – Kosten. So offenbarte ein Blick unter den Tank viele kleine Black-Boxes die die beiden CDI-Einheiten, die Einspritzpumpen, das Motormanagemant usw. enthielten. In der Werkstatt konnte man ebenfalls sehen, warum die Inspektionen alle 6.000km zwischen 800,- bis über 1.000,- verschlingen: Zum einen ist das Einstellen eines Motors mit desmodronischer Ventilsteuerung nicht einfach und schnell machbar, zum anderen muss vorher der Motor aus dem Rahmen zumindest abgelassen werden, damit der hintere Zylinderkopf abgenommen werden kann.

Ein Blick in den Fahrzeugbrief brachte eine weitere Erkenntnis: Schon sechs Vorbesitzer hatte das Moped in knappen fünf Jahren gehabt. Alleine dies hielt mich schon von einem Kauf ab.

Honda XLV 750 Africa Twin, Fahrt 2000

Fragt man einen Africa Twin Fahrer, was er von seinem Moped hält, hört man nur positives, und zwar ausschließlich.

Das Moped währe extrem zuverlässig, super langstreckentauglich, preiswert im Unterhalt und würde ein gutmütiges Fahrverhalten bieten, was auch vor kleineren Off-Road-Ausflügen nicht zurückschrecken würde.

Mal sehen, sprach Marc. Das Problem war nur, dass es kaum gebrauchte Africa Twins gibt, sondern nur neue, und die rückt natürlich kein Händler zur Probefahrt raus.

Intention – Erwartungen

Ich wollte prüfen, ob ich wirklich meine Adventure-R gegen ein solch tolles Moped eintauschen könne. Allerdings zweifelte ich so ein bisschen daran, ob es den Fahrspass bietet, wie meine KTM.

Allgemeines

Der Motor ist unspektakulär, könnte ein wenig kräftiger sein. Das Fahrwerk ausreichend für den unspektakulären Motor.

Positives

Blubb. Nix aufregendes, einfach nur fahren. Staubsauger-artiger Motor.

Auf der Bahn kann man ohne Probleme 180 km/h fahren, das Dingen fährt einfach brav gerade aus.

Negatives

Das erste, was mir auffiel, war die Sitzposition. Wenn ich ganz an den Tank ranrutsche (was ich vor allem dann mache, wenn ich mal zügig unterwegs bin), drücken meine Knie auf die Sicke des Tanks. Möchte ich nun eine Kurve fahren, drücke ich das Moped mit dem Knie und nicht mit dem Oberschenkel in die Kurve. Nach der Borgloher Bergrennstrecke drückte mir schon mein Handgelenk, weil ich ziemlich verkrampft auf dem Bock saß.

Weiterhin ist das Fahrwerk wohl mit mir überfordert. Möchte man die Kiste ein bisschen scheuchen, gehen die Federungen voll in die Progression. Beispielsweise kann ich mit der KTM mit 100 km/h über den Wellendorfer Bahnübergang drüber belgen (es geht noch schneller, nur fliegt man dann …) ohne dass auch nur ein Rad den Bodenkontakt verliert, die Africa Twin hatte schon bei 60 km/h die Reserven aufgebraucht.

Und das schöne Windschild hielt mir den Fahrtwind von den Schultern, machte allerdings damit das Belüftungssystem arbeitslos, sorgte aber für gleichzeitigen Zug in den Helm, der sich dann lautstark bemerkbar machte.

Fazit

Nix für mich. Die KTM ist brutal, direkt, man hat nie das Gefühl vom Fahrwerk im Stich gelassen zu werden; die Africa Twin ist eindeutig ein Langstreckenbomber, der ruhig und gelassen über gute Strassen geleitet werden möchte.

Moto Guzzi Quota, BJ 1998, Fahrt 2000

Ein Zugeständnis an Gero. Ich wollte doch mal sehen, ob diese Kiste was für mich ist (bald habe ich alle großen Enduros durch).

Intention – Erwartungen

Ich erwartete ein besseres, zuverlässigeres Moped als meine KTM.

Allgemeines

Draufgesessen, Zuündschlüssel umgedreht … bzzzzzzzzz (Benzinpumpe für die Einspritzung!) … üüüüüttt – üüüüüttt – üüüüüttt – pffffummmm – pffffummmm – … – pffffummmm – pffffummmm – … – pffffummmm – pffffummmm … das ist Guzzi – Feeling!

Grosses Moped, für eine Enduro recht niedrige Sitzhöhe … mal sehen …

Positives

Guzzi Feeling … Die fährt sich wirklich so, wie sie sich anhört. Ruhig, kräftig, viel Druck von Unten, ein bisschen Fahrstuhl (durch den Kardan) … prima …

Negatives

Man darf der Guzzi nicht böse sein (kann man auch nicht wirklich) ich würde sie auf der Borgloher Rennstrecke wahrscheinlich mit der KTM locker abledern, zu hohes Gewicht, der behäbige Motor, das nur ausreichende Fahrwerk …

Was mich ein bisschen erstaunt hatte, war die Tatsache, wie wenig von den über 80 PS doch tatsächlich in Vortrieb umgesetzt werden, zudem ein dickes Leistungsloch im Bereich bei 4000 – 5000 U/min noch mal für Adrenalinschübe beim Überholen sorgt.

Was mich jedoch am meisten Gestört hatte, war doch die Tatsache, dass ich schon in den ersten Kurven mit den Fußrasten aufgesetzt hatte … und dass bei einer Enduro. Die Lösung wurde beim Händler nachgereicht: Die Quota ist eher ein Tourer als ein Sportler.

Fazit

Hmmmm … auch wenn meine ganzen Bekannten mit dem Köpfchen schütteln: Dieser gemütliche Guzzi Sound hat was … wenn man sich dann nur noch ein bisschen mehr in die Kurven legen könnte …

Yamaha 750 Super Ténéré, BJ 1994, Fahrt 2000

Stephan Peterhansel hatte mit dieser Maschine (oder besser: die hatte noch den Motor drin) mehrfach die Paris / Dakar gewonnen, also musste ich auch mal das Dingen Probefahren.

Intention – Erwartungen

Mal sehen …

Allgemeines

Sieht ja gewaltig aus …

Positives

Recht bequemer, breiter Sitz und der Motor zieht recht gut hoch.

Der Windschutz ist wirklich prima, auch bei höheren Geschwindigkeiten (kommt so auf 180 km/h) ist der Oberkörper zugfrei gehalten.

Negatives

Ziemlich niedrige Sitzhöhe … und … draufgesetzt und unwohl gefühlt: Die Krümmer wurde wegen höherer Bodenfreiheit rechts am Motor vorbeigeführt, dadurch wurden auch die rechten Fußrasten nach außen verschoben. Aufgrund des Reihenmotors sitzt man sowieso breitbeiniger als auf anderen Enduros auf dem Moped, durch die unglückliche Fußrastenanlage auch noch schief.

Die Sitzbank ist ziemlich glatt, man rutscht mit Textilhose recht haltlos umher.

Das Fahrwerk ist ebenfalls (nicht mehr) der letzte Schrei, die Gabel verdreht sich doch beim kräftigeren Bremsen.

Fazit

Auch nix für mich: Die KTM ist agiler, hat ein besseres Fahrwerk, der Motor kommt spontaner. Dummerweise ist Yamaha dieser Schnitzer mit der schiefen Sitzposition unterlaufen, sonst würde ich einen direkten Konkurrenten der Afica Twin oder GS 11×0 sehen.