Review: Canon D10

Wozu das Ganze?

Für’s Kajakfahren suche ich ja eine Kamera.

Mein erster Versuch bestand darin, die Canon G11 in ein Unterwassergehäuse zu stecken. Vorteil: Gute Qualität der Bilder. Die beiden gravierensten Nachteile: Sehr großes Gehäuse, dadurch problematisch, wenn man ein enges Kajak hat und auch schlecht vom Handling her, weil man manchmal einfach nicht beide Arme frei hat.

Der nächste Versuch war die Pentax WG-1. Hier war das Problem die einfach nicht zu akzeptierene Bildqualität. Ich vermutete, dass die schlechte Bildqualität mit der Periskopoptik zusammen hing. Dies Resultat hatte ich auch in einigen Tests widergefunden (aber bitte nicht fragen, warum ich das nicht *vor* dem Kauf gelesen hatte …).

Auf der Suche nach einer bezahlbaren, kleinen aber guten wasserdichten Kamera bin ich dann bei der Canon D10 hängen geblieben. Nach kurzer Überlegung hatte ich mir die bestellt.

Außenrum

Das geht ja gar nicht!

Eine Augenweide ist die Kamera nicht gerade. Nunja, man beschäftigt sich aber trotzdem mit dem Teil.

Das Glubschauge kommt durch das Objektiv, dass natürlich „Eingehaust“ werden muss, damit es wasserdicht gebaut werden kann. Das ist aber alles ordendlich gemacht und macht auch einen soliden Eindruck.

Das herausstehende Objektiv (siehe auch die folgenden Fotos) ist auch der einzige Wehrmutstropfen: Durch den Knubbel kann man die Kamera nicht so schnell und sicher aus Taschen (wie bspw. bei meiner Schwimmweste) entnehmen.

Ein Alleinstellungsmerkmal ist die innovative Befestigungslösung an der Kamera. An allen vier Seiten hat die Kamera Aufnahmen, in der entweder die Handschlaufe oder die optional erhältliche Halsschnur oder die wirklich tolle Sicherungsleine eingeclipst werden kann. Die Teile selbst werden mit einem Bayonettverschluss eingehakt.

Alle Verschlüsse sind mit Klappen ausgestattet, die wiederrum abgedichtet sind.

Das Display und die Menues entsprechen mittlerem Canon-Standard (gemessen an der G-Serie fehlen einige Einstellungsmöglichkeiten, die ich aber nicht bei einer derartigen Kamera erwarten würde). Nett ist die Möglichkeit, bei einer Taste (links oben) alternative Funktionen zu programmieren. Die +/- Korrektur ist auch schnell zu erreichen.

Vom Handling her geht die Kamera in Ordnung. Die Tasten lassen sich ohne Handschuhe gut bedienen.

Ich hätte mir eine etwas griffigere Daumenablage gewünscht. Die kleinen Noppen sind nicht so richtig toll. Beim hektischen hantieren mit der Kamera (das passiert schon mal, wenn man die beim „Sport“ mitnimmt, drückt man versehendlich irgendwelche Knöpfchen und verstellt zuverlässig die Kamera. Das oben abgerundete Gehäuse trägt auch zu dem etwas unsicheren Handling hinzu. Die Pentax WG-1 und auch die Canon G11 haben das besser gelöst.

Vergleicht man die drei Kontrahenden fällt der Objektivknubbel der D10 sehr schön in den Blick. Die G11 fühlt sich natürlich wertiger an, die WG-1 nimmt man bessere Nehmerqualitäten ab.

Postertest

Der Test am Poster verlief erfreulich gut. Keine großen Abweichungen bzgl. der Farbe waren erkennbar (Oben Canon D10, unten Canon G11).

Bzgl. der Schärfe im Weitwinkelbereich ist natürlich festzustellen, dass der 1/2,3-Zoll CCD Sensor mit 12,1 MPixeln nicht gegen den 1/1,7-Zoll CCD Sensor mit nur 10,0 MPixeln rankommt. Irgendwo muss auch der Differenzpreis herkommen. (Oben Canon D10, unten Canon G11.)

Im Telebereich gibt’s auch nichts bzgl. dem Farbeindruck zu meckern. (Oben Canon D10, unten Canon G11.)

Im Telebereich kann man feststellen, dass die D10 noch einmal bzgl. der Schärfe abnimmt. (Oben Canon D10, unten Canon G11.)

Fazit:

Man kann natürlich die beiden Kameras nicht direkt vergleichen. Allerdings finde ich es schon gut, wie dicht die D10 an die G11 heran kommt. Sicherlich ein Grund dafür dürfte im verwendeten CCD Sensor liegen, die Canon der D10 spendiert hat.

Draußen

Und hier hat sich im direkten Vergleich zur G11 die D10 richtig tapfer geschlagen. (Bei den Bildern oben Canon D10, unten Canon G11.)

Wehrmutstropfen

Nach der anfänglichen Euphorie habe ich dennoch einige Schwächen bemerken müssen, die man aber der Kamera verzeihen kann.

Während bei strahlenden Sonnenschein durchweg schöne Fotos entstehen können (sofern dies der Fotograf zulässt 😉 )

Kann man schon einmal bei düsteren verhältnissen frustig werden.

Die Probleme sind aber in der Fotografie allgemein begründet und nicht so sehr bei der Kamera zu suchen:

Die D10 stellt bei den Außenaufnahmen schnell auf einen Weißabgleich ein, der nicht zielführend ist. Grund ist bspw. das dominante grün. Dies hat man aber bei fast allen Außenaufnahmen, wo die D10 eingesetzt wird: Dominantes blau auf dem Wasser (s.o.), grau in den Alpen. Die G11 kommt damit entschieden besser klar; hier musste ich noch nie eingreifen. Zur Vermeidung dieser Fehler stellt man einfach den automatischen Weißabgleich auf manuell und wählt Tageslicht (5777K).

Weiterhin versucht die Kamera in der Programmautomatik schnell kleine Blenden mit längeren Verschlußzeiten zu wählen. Das ist ebensowenig Zielführend, da ich bspw. mit dem Kajak oftmals Fotos aus der Bewegung schieße und damit eine Verwackelungsunschärfe in die Bilder hole. Auch hier kann man mit der Blendenvorwahl arbeiten, dann ist das auch vom Tisch.

Wenn man die automatische ISO-Wahl (Empfindlichkeit des Sensors) wählt, geht mir die D10 zu forsch mit höhren ISO-Werten um. Ab ISO 200 kann man bereits Qualitätseinbrüche sehen, an ISO 400 wird’s schlimm. Aber auch hier kann man manuell ISO 100 vorwählen und dann im Bedarfsfall hochstellen. Das geht auch sehr schnell (FUNC-Taste, dann mit der Wippe links für kleinere und rechts für größere ISO-Werte), also auch nicht wirklich ein Problem.

Fazit:

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten ist die D10 eine feine Kamera. Canon hat es geschafft, eine wasserdichte Kamera mit annehmbarere Bildqualität rauszubringen.

Die Kamera reagiert flott, Schnappschüsse gelingen damit zuverlässig. Die Schnelligkeit hängt auch mit dem Objektivknubbel zusammen: Durch den Schutz braucht das Objektiv nicht mehr wie bei anderren Kompaktkameras eingefahren zu werden, die Kamera ist praktisch ohne nennenswerte Verzögerung Schußbereit. Auch das Fokussieren und die Auslöseverzögerung ist sehr gering. Dies

Leider ist in der Kamera nur ein Objektiv mit 35-105mm eingebaut. Das ist gerade in der Natur recht wenig. Auch dies ist ein Zugeständnis am Gehäuse: Teleobjektive würden mehr Platz nach vorn gebrauchen, Weitwinkelobjektive eine größere Öffnung des vorderen Glases. So hat Canon ein Kompromiss des machbaren gemacht. Wem das nicht reicht, der kann sich auch eine G11 in ein Unterwassergehäuse stecken. Mit der D10 hat man allerdings eine zum UWG geradezu winzige Kamera in der Hand, die auch nur ein Drittel kostet.

Also: Die Kamera bleibt bei mir!