Sigma DP1

Da liegt sie also auf dem Tisch, die Sigma DP-1:

Die Kamera soll einen Brückenschlag zwischen Kompaktkamera auf der einen mit professioneller Technik auf der anderen Seite sein. Dies ist auch im Preis von knapp 800 EUR erkennbar. Das mir zur Verfügung gestellte Set kostet etwa 1.000 EUR.

Das Neue an dieser Kompaktkamera ist der Foveon X3 Sensor in der Kamera, der mit einer Größe von 20,7 x 13.8 mm etwa 8-12 mal so groß wie übliche Kompaktkameras. Wenn Interesse besteht, kann ich noch einmal was über den Sensor schreiben (und den mit den üblichen CCD und CMOS Sensoren vergleichen). Ich habe die Kamera mal mit meiner E-1 verglichen, was eigentlich ungerecht ist, da die E-1 nur eine 5MPixel Kamera ist, die 2003 auf den Markt kam und die DP-1 eine 14 MPixel Kamera ist, die 2008 auf den Markt kam.

Gehäuse / Hanling

Das Gehäuse ist ein Metallgehäuse, wirkt allerdings nicht so „wertig“ wie bspw. andere Kompaktkameras (Canon IXUS, G9) oder gar eine DSLR mit Magnesiumgehäuse. Grund hierfür ist die Tatsache, dass nur ein recht dünnes Metallblech über einen Plastikkorpus geschraubt wurde, was man gut mit einem Blick in das Batteriefach erkennen kann.

Kompakt ist die Kompaktkamera übrigens nicht. Zwar ist das Objektiv versenkbar, nicht aber die Gegenlichtblende. Wenn die aufgesteckt bleibt, verringern sich die Abmessungen nicht (s.o.). Sicherlich kann man diese separat mitnehmen – nur: Wer macht das denn und schraubt bei jedem Foto die Gegenlichtblende wieder drauf.

Einen optischen Sucher würde ich bei einer Kamera dieser Preisklasse voraussetzen. Leider ist dieser nur ein Aufstecksucher, wie man ihn bei den Leica-M-Modellen auch kennt. Im Unterschied zu diesen sind hier allerdings keinerlei Hilfen angebracht, lediglich der zukünftige Bildrand kann erkannt werden. Dies trifft nicht auf den unteren Rand zu, denn da ragt die Gegenlichtblende hinein und verdeckt zum überwiegenden Teil den Bereich. Ärgerlich ist vor allem, dass nicht ein AF-Fleck angedeutet ist. Im Grunde ist dadurch der Sucher – für mich – nicht zu verwenden.

Ärgerlich ist weiterhin die bei Dunkelheit nicht mehr lesbaren schwarzen Gravuren auf den schwarzen Tasten. Warum da nicht zumindest ein weißer Aufdruck aufgebracht wurde, bleibt mir zumindest – wie auch die Funktion der Taste – im Dunkeln verborgen.

Die nächste Überraschung kam nach dem ersten Auslösen. Die Kamera ist so mit sich selbst beschäftigt, dass man erst nach 7-8 Sekunden wieder ein Bild auf dem Sucher sieht. Dann kommt der lahme Autofocus hinzu, so dass man frühestens nach 10 Sekunden ein zweites Bild machen kann. Das ist eindeutiger Spitzenwert. Ich hatte noch nie eine Kamera in der Hand, die mit so einer geringe Bildfolge aufwartete.

Technische Daten

Ich dachte eigentlich, dass mir die DP-1 als Alternative zu einem lichtstarken Normalobjektiv gefallen würde, da dies schon mit knapp 450 EUR zu buche schlägt (Sigma 1,4/30mm). Als ich dann die Aufschrift auf dem Objektiv las, das das Objektiv eine Lichtstärke von 1:4 hatte, habe ich gleich mal die einstellbaren ISO Werte angeschaut: 50-800. Dabei ist mir weiterhin aufgefallen, dass man als kleinste Blende nur die Blende 11 einstellen kann. Irgendwie finde ich das nicht überzeugend – gelinde gesagt. Zum Vergleich die Oly E-1: Blende 2,8-22 und ISO3200. Das sind bei Dunkelheit 3 Blendensufen. Wenn ich das o.g. Sigma 30mm vorsetzen würde, wären das 5 Blendenstufen mehr Licht.

In den technischen Daten stand weiterhin, dass die Kamera auch – Kompaktkamera typisch – Filme erstellen kann. Die 320 x 212 Pixel Filmchen sind allerdings nicht mehr Zeitgemäß, über die Bilder pro Sekunde und die max. Zeit schwieg sich das Datenblatt aus (Canon G9: 640 x 480, 30 Bps, bis Speicherkarte voll (ca. 60 min)).

Lobenswert sei hier erwähnt, dass man Kamera statt JPEG die RAW Daten wegschreibt, hier kann der Foveon-Sensor erst wieder Punkten.

Bildqualität

Jetzt war ich ja gespannt: Ein Sensor, der auch meiner E-1 um Klassen überlegen sein sollte.

DP-1

E-1

Leider erwiesen sich die Farben sehr neutral, das saftige Grün kam erst durch die E-1 zur Geltung. Auch wirken die Fotos ein bisschen „farblos“.

DP-1

E-1

Bei ISO 800 wurden die Bilder nur noch schlimmer. Hier rächen sich die zu lange Belichtung extrem, da ja mit eingestellter, steigender Empfindlichkeit auch der dynamikumfang schrumpft.

Was auch nicht so doll ist, ist der lahme Autofocus in Verbindung mit Makroaufnahmen. Eine leicht im Wind sich bewegene Blume wird so nie scharf abgebildet.

Als ein komplettes Versagen bewerte ich mal ein freifach Digitalzoom bei ISO 800. Daneben ein 1:1 Ausschnitt aus dem Foto (640×480).

DP-1

E-1

Recht gut ist die Bewertung der Schärfe der einzelnen Pixel ausgefallen. Hier kann natürlich der Foveon Sensor punkten, da er kein De-Bayering durchführen muss, da bei ihm ja die einzelnen Pixel übereinander liegen. Allerdings ist der Vorteil zu meiner betagten E-1 trotz überragender Technik nicht so besonders groß …

Mein Fazit

Ich bin froh, mal diese Kamera zu testen können. Weil ich mir sehr sicher bin, dass diese Kamera nix für mich ist. Die DP-2 mit ihrem 1:2,8 (jaaaa, eine Blende mehr!) 41mm Objektiv auch nicht: Allein schon das Handling der Kamera will ganz und gar nicht zu meiner Arbeitsweise passen.

Bzgl. den anderen DSLR von Sigma mit dem Foveon Sensor: Ich würde mir wirklich so einen Kandidaten noch einmal wirklich genau mit denen der Konkurrenz vergleichen. Wie auch mein Kollege schon anmerkte, sind die Nachteile dieses Sensors zu deutlich: Trotz der riesigen Pixelfläche ist dort keine Steigerung des Dynamikumfangs (flaue Bilder) oder der Empfindlichkeit (ISO 800) zu verbuchen.