Steuer / Skeg / Nix

Das Thema Steuer / Skeg / gar nichts wird sehr emotional geführt. Ich versuche dieses Thema sachlich für den Narak aufzuarbeiten, es gibt gute Gründe für alle Alternativen.

Man kann den Narak mit einer Steueranlage ausrüsten. Diese ist auch recht ordentlich am Heck angebunden (wenn man die bspw. mit dem Feathercraft Khatsalano vergleicht). Weiterhin kann man die Steueranlge natürlich komplett weglassen oder bspw. ein Skeg von Feathercraft anbinden.


Oben sieht man das Steuer im Wasser und unten das Steuer in Ruhestellung. Zum Vergleich habe ich das Skeg von Feathercraft montiert.


Auf dem nachfolgenden Bild die Steueranlage: Man hat zwei übereinander liegende Rohre: Das Untere ist mit dem Sitz verbunden, man kann sich da mit dem Fuß (Hacken) darauf abstützen. Das obere Rohr ist drehbar, man kann es mit den Zehen drehen und somit lenken.



Der Vorteil eines Steuers liegt auf der Hand: Man kann mit dem Fuß die Richtung wählen und halten. Man braucht sich also nicht um Ausgleichsschläge kümmern, sondern kann brav einfach nur mit dem Grundschlag vorwärts paddeln.

Es gibt aber auch ein paar Nachteile:

  • Wenn man mit Rotationstechnik paddelt, ist eine Abstützung mit dem Fußballen optimal. Dies kann nicht erreicht werden, da man sich mit dem Hacken abstützt.
  • Während der Rotation wird abwechselnd ein Bein belastet. Hierdurch stellt sich das untere Röhrchen schräg, daher muss man die Entfernung mit den Zehen zum Steuerröhrchen ausgleichen.
  • Eine andere Beinposition ist kaum möglich. Das ist gerade bei langen Strecken nicht so schön, wenn man sich ein wenig anders hinsetzen möchte.
  • Es ist ein wenig fummelig, die richtige Sitzposition zu erreichen. Insbesondere bei Verwendung von Neoprenschuhen mit Gummisole kann das zur Geduldsprobe werden. Noch interessanter wird’s, wenn die Seesocke eingelegt ist. Dann kleben nicht nur die Schuhe an der Seesocke, sondern auch noch die Seesocke an der Steueranlage. Ganz zu schweigen vom Faltenwurf, der die ganzen Seile behindert.
  • Die Einstellung der Steueranlage ist auch sehr fummelig. Ein Einstellen auf dem Wasser ist kaum möglich: Der Narak ist ziemlich kippelig, das Paddel sollte in der Hand zum Stützen sein. Wenn man ohne Paddel im Fußraum die Anlage einstellen möchte, geht das praktisch gar nicht. Besser wieder zurückfahren und aussteigen. Gänzlich unmöglich ist eine Einstellung der Steueranlage mit eingesetzter Seesocke.
  • Das Steuerblatt wird schon durch den Wasserdruck nach hinten gedrückt und ist geht nicht mehr im 90° Winkel ins Wasser. Die Folge ist eine schlecht oder gar nicht mehr zu bedienende Steueranlage. Man kann das etwas ausgleichen, in dem das Gummiband, das die Leinen zum Ablassen des Steuers hält, äußerst stramm einstellt, Abstellen kann man das aber nicht. Vermehrt tritt dieses Problem auf, wenn man mit dem Steuerblatt Gras oder anderes einsammelt: Das erhöht den Druck nach hinten, stellt das Steuer schräg und man wundert sich, warum man rein gar nichts bzgl. einer Richtungsänderung ausrichten kann. Wenn das (wie bei mir) beim Überholen eines Spreewaldkahns passiert, ist man eine zeitlang nicht gerade glücklich.
  • Der Winddruck auf die Steueranlage ist schon beachtlich. Das sowieso luvgierige Kajak wird hierdurch noch luvgieriger. Das tritt vor allem auf, wenn das Steuer hochgeklappt ist (was es i.d.R. bei derart widrigen Verhältnissen eher nicht ist 😉 ).
  • Ein in meinen Augen bedenkliches Sicherheitsmanko sind die Begrenzungen der Steuerung. Diese sind mit Klemmen realisiert, die eigentlich im Textilbereich zum Einsatz kommen, um Bundabschlüsse zu regulieren. Mir ist es nicht nur einmal passiert, dass sich die Klemme gelöst hat. Dann kann man diese Seite des Steuerröhrchens voll durchtreten ohne eine Reaktion auf der Steueranlage zu haben. Man muss dann die Steueranlage hochziehen, da sie zur anderen Seite steuert. Das ist allerdings nicht so einfach, eine verdrehte Steueranlage zu bergen, die zudem nicht richtig mittig auf dem Heck liegt. Auch wenn man die mittig hingelegt bekommt: Jetzt fährt man ohne Steuer, ohne Skeg, dafür mit einem feinen Segel am Heck. Auch nicht schön. Und alles schon gehabt. Ein neues Festklemmen im Wasser kann man vergessen, alleine schafft man es nicht und auch der Zweite kommt kaum weit genug ins Boot, um die Klemme auf Position zu bringen. Mit Seesocke ist da sowieso kein Rankommen. Ich habe das Problem durch einen Achtknoten gelöst, den ich hinter die Klemme gesetzt hatte.
  • Letztendlich stört die Steueranlage enorm beim Wiedereinstieg. Man kommt eigentlich gut mit der Leitermethode auf das Narak, weil es so schmal ist, dass man das Heck leicht unter Wasser drücken kann. Das geht natürlich nicht mit einer Steueranlage: Man macht damit nur diese kaputt … und natürlich sich selbst. Beim Seiteneinstieg hängen die Steuerseile im Weg, die über das komplette Achterdeck laufen.

Im Lieferumfang des Narak ist eine Stemmplatte enthalten. Zusammen mit dem Feathercraft-Skeg ist das meiner Meinung nach eine tolle Lösung, um „auf Spur“ zu bleiben. Der größte Nachteil – so er denn als solcher empfunden wird – ist der, dass man nur mit technischem Fahren das Boot in eine Richtung lenken kann. Sitzt man schief, paddelt man mit einer Hand stärker, hat man Seitenwind, wird das Boot nicht mehr geradeaus fahren. Das bekommt man nur hin, wenn man aktiv dagegen paddelt.


Im folgenden Bild sieht man die Stemmplatte. Sie kann mit vier Gurten in Weite und Winkel passend eingestellt werden.


Dafür bekommt man schöne viele Vorteile:

  • Für die Rotationstechnik optimale Abstützung des Fußes mit dem Ballen auf dem Stemmbrett. Jetzt kann „vom Zeh“ bis zur Paddelspitze gepaddelt werden.
  • Man ist optimal im Boot verkeilt: Zwischen Ballen, Schenkelstützen und Becken entsteht ein Kraftschluss.
  • Man kann seine Beine auf längeren Strecken auch einmal anders auf das Stemmbrett stellen.
  • Die Position des Brettes wird einmal ohne Seesocke eingestellt: Gurte entspannen, Füße auf den Boden, angewinkelt. Stemmbrett rechtwinklig davor ziehen, fertig.
  • Keinerlei Aufbauten, hierdurch verringerte Luvgierigkeit.
  • Keinerlei Aufbauten, hierdurch unproblematischer Wiedereinstieg möglich.
  • Bei mir hat sich noch nie ein Gurt o.ä. gelöst.
  • Die Seesocke kann entschieden einfacher an das Stemmbrett gelegt werden. Optimal ist eine gekürzte Seesocke.

Der Narak ist luvgierig, das bleibt bei der Bootsform und des hohen Freibords nicht aus. Hierzu habe ich bis btf 3-4 nichts, danach ein Feathercraft Skeg genutzt. Das Skeg verhindert recht zuverlässig das Auswandern des Bootes zu einer Seite, es hat allerdings auch ein paar Nachteile:  

  • Der Widerstand bei der Fahrt durchs Wasser. Allerdings ist der gefühlt gleich Null.
  • Vorsichtige Handhabung des Bootes. Skeg noch im Wasser lösen, vor dem Wassern des Bootes Skeg auf Sitz kontrollieren.
  • Rückwärtsstart vom Strand aus. Das Skeg sollte nicht über den Boden schleifen.
  • Korrektur am Skeg ist alleine nicht möglich, wenn es mal doch nicht optimal sitzen sollte. Allerdings ist das auch nicht wirklich oft notwendig gewesen.
  • Skeg ist nicht verstellbar. Wenn man von einem Skegboot kommt, ist das natürlich doof, dass man mit dem Rein- und Rausfahren des Skegs schon recht gut die Luvgierigkeit kompensieren kann. Das geht natürlich nicht bei dem festen Skeg, das so ist, wie es ist. Allerdings auch hier: So richtig schlecht war es nicht, es unterstützt die Technik.

Danach: Freude mit der tollen Sitzposition und einem funktionierenden Skeg.