Über das Kajakfahren

Wieso Kajak?

Eine gute Frage.

Im Alter von 3 Wochen (!!!) bin ich das erste Mal im elterlichen Segelboot gefahren. Wenn ich mich auch nicht mehr deutlich an diese ersten Wochenenden erinnern kann, prägten mich hingegen doch die folgenden 16 Jahre, in denen ich auf den elterlichen Segelboote mitfuhr (mein Vater hat dazu einen schönen Artikel verfasst). Als ich dann so 10-12 alt war, durfte ich mit dem Beiboot plus Außenborder rausfahren, auch wenn’s mal stürmischer wurde. Es mussten nur zwei Dinge eingehalten werden: a) anlandiger Wind (ist meist in Lemmer so gewesen, wenn ich gen westen in die Lemmer bucht fuhr) und b) eine Schwimmweste. Die Wellen waren hoch, Marc binnen minuten tropfnass … und glücklich!

Mit dem Kajak geht das natürlich erst recht. Die Inuit haben diese Boote für die Robbenjagd entwickelt und haben sich mit diesen Booten bis in den Atlantik vorgewagt. Ein Kajak ist also die kleinste, überlebensfähige Wassereinheit. Und das fasziniert mich.

Bei den ersten Fahrten auf größeren Seen (Bodensee, Ostsee) schlugen die Wellen über das Boot. Und ich bin trockener als gedacht und glücklich wieder an Land gegangen.

Wieso Faltboot? 

Dummerweise sind die Kajaks recht groß: Die von mir in Betracht gezogenen Boote haben allesamt Längen zwischen 4,70 m bis 5,90 m. Und hier fangen die Probleme an:

  • Wie kann ich das Boot transportieren?
    Mein Wohnmobil ist zwar 5,95m lang, aber das Dach ist 2,88m hoch. Sprich: Es müssen Vorrichtungen angebaut werden, wo man das Boot anschnallen kann. Dann muss das noch irgendwie oben auf’s Dach kommen und auch wieder einen geordneten Rückzug antreten können und nicht über’s nasse Dach gen Boden rutschen – das alles natürlich ohne fremde Hilfe.
  • Wo kann ich das Boot lagern?
    Zu Hause ist definitiv klein Platz. Meine Garage für die Mopeds ist zu kurz.
    Im Bootshaus? Nach Bielefeld sind das 25km, nach Osnabrück 35km. Außerdem setzt das die Vereinsmitgliedschaft voraus.

Auch dauert der Auf- und Abbau eines Faltbootes nicht länger als der Zeitverzug, den ich bei der Mitnahme des Festrumpfbootes hätte: Für meine drei Faltboote brauche ich vom hinstellen des Sackes bis zum „fertig“-Ruf etwa 30min. Dann ist aber alles drin und dran und ich kann losfahren. 
(Ich schreibe das mal, weil man in Videos sieht, wie ein Trak 1600 in weniger als 6 min aufgebaut wird. Natürlich liegt alles sauber aufgreiht da – das ist meines Erachtens wenig Praxisnah.)

Faltboote sind …

… anders …

Das für und wieder in Puncto Faltboote wird sehr emotional und kontrovers diskutiert. Ich habe mich einfach viel zu kurz mit der Materie auseinander gesetzt um hier schreiben zu können, dass eine Eigenschaft so oder so sich verhält, vielmehr versuche ich einfach einmal möglichst neutral die Meinung anderer wiederzugeben.

… haltbarer / robuster / empfindlicher …

Aufgrund der Haut sollen Faltboote empfindlicher sein, bspw. beim An- oder Ablanden an steinigen Küsten. Allerdings treten auch Weißbrüche an Laminatbooten auf, wenn sie über einen Stein schrammen. Weiterhin gibt die Haut nach, federt und drückt das Boot in die andere Richtung. Das soll zumindest so funktionieren.

Vielfach wird Eschenholz als Gerüst verwendet. Esche ist aber bekannt für seine federnden, nachgiebigen Eigenschaften. Dies soll beim Laminatboot eigentlich vermieden werden, Grundberührungen werden also eher ungefedert weitergebenen.

Es gibt zahlreiche Videos im Internet, die illustrieren, wie haltbar die Skin-On-Frame Kajaks sind, ich kenne keinen Lamimatbootbesitzer, der so etwas wie hier und hier gezeigt wurde, auch mit seinem Boot nachmacht.

… schwerer / breiter / behäbiger …

Das ist pauschal nicht so richtig.

Der Begriff Faltboot wird oftmals synonym mit den Tourenzweiern der Herstellern Klepper und Pouch verwendet. Nur besteht die Faltbootwelt nicht nur aus dem Klepper Aerius und dem Pouch RZ85.

Ein gutes Beispiel ist mein Nautiraid Narak Seekajak Einer. Der ist wesentlich leichter, schmaler und länger als die beiden oben genannten aber auch als fast alle Festrumpf-Seekajaks. Und er ist nicht behäbig.

… langsamer, weil die Haut nachgiebiger ist …

Aufgrund der Nachgiebigkeit sollen Falter langsamer sein. Allerdings ist die Haut schon wirklich sehr stramm und dann wüsste ich auch trotzdem nicht, ob das so stimmt oder wenn ja, um wieviel der Falter wirklich langsamer ist.

… nicht so exakt, weil die Haut / das Gestänge nachgiebiger ist …

Das kann ich mir vorstellen. Allerdings lautet das Gegenargument, dass durch die Nachgiebigkeit des Gestänges gerade ein Holzfalter sehr viel angenehmer zu fahren ist, da Schlage sehr gut abgefedert werden.

Fazit 

Ehrlich: Ich weiß es (noch) nicht.

Es gibt Argumente dafür und dagegen. Bei vielen wird diese Diskussion sehr emotional vorgetragen, daher ist eine neutrale Meinungsbildung fast nicht möglich.

Vielleicht habe ich irgendwann einmal ein „Aha-Erlebnis“. Ich berichte …